Bericht zum Themenabend "Linse und Kichererbse"

Die Veranstaltung fand am 17. Oktober in der GLS Bank Berlin statt und wurde von Gerald Köhler (FÖL) und unserer Kollegin Isabella Krause eröffnet. Redner:innen waren Dr. Marisa Hübner, Fachärztin für Innere Medizin und Ayurvedamedizin, die sich u.a. für gesündere Ernährung in der Gemeinschaftsverpflegung bei ProjectTogether/Farm-Food-Climate engagiert, und Torsten Weber, der den Vertrieb der „Neuen Fruchtarten“ in der DACH-Region mit Fokus auf Sonnenblumen und Kichererbsen bei Strube Saatgut macht

Torsten Weber gab einen detaillierten Einblick in die Potentiale und Herausforderungen des Anbaus von Kichererbsen. Interessanterweise erfordert der Anbau von Kichererbsen kaum neue Gerätschaften. Sie können wie herkömmliche Feldfrüchte gesät, gehackt und gedroschen werden. Im Vergleich dazu ist der Anbau von Linsen komplexer, da sie eine Stützfrucht benötigen und anschließend aufwendig gereinigt werden müssen. Der Vorteil liegt darin, eine Mischkultur auf der Fläche zu haben, die mehr Resilienz auf den Acker bringt. Beide Kulturen sind jedoch in Ertrag schwankend und können nicht immer mit den Erträgen anderer Kulturen konkurrieren, was sich auf den Preis von regionalen Linsen und Kichererbsen auswirkt.

Dr. Marisa Hübner betonte die gesundheitlichen Vorteile von Hülsenfrüchten. Sie sind proteinreich, ballaststoffreich, eisenreich, cholesterinfrei und enthalten sekundäre Pflanzenstoffe. Trotz dieser Vorteile konsumiert der durchschnittliche Deutsche nur etwa 7 Gramm Hülsenfrüchte pro Tag, während die Planetary Health Diet eine Menge von 100 Gramm empfiehlt. Es besteht also ein erheblicher Bedarf, die Ernährung zu diversifizieren und gesünder zu gestalten. Kreative und schmackhafte Zubereitungen von Hülsenfrüchten können dazu beitragen.

Anschließend entwickelte sich eine lebhafte Diskussion unter den Teilnehmern. Es wurden Fragen zur Zukunft des Hülsenfruchtanbaus, Anreizen für Landwirte und Maßnahmen zur Förderung eines gesünderen Ernährungsbewusstseins aufgeworfen.

Es wurde betont, dass gemeinschaftliche bzw. kooperative Strukturen entscheidend sind, um mit vielen Landwirten zusammenzuarbeiten und die Fruchtfolge zu diversifizieren. Kleine Flächen können gebündelt und skaliert werden, um preislich attraktive Angebote zu schaffen. Die Landwirte können sich gegenseitig unterstützen und Erfahrungen auf Augenhöhe austauschen.

Die Bedeutung von Bildungsangeboten wie "Kantine Zukunft", die Köchinnen und Köche weiterbilden, wurde hervorgehoben. Diese können gesündere Ernährung in Kitas, Schulen, Seniorenheimen und Krankenhäusern fördern und den Endverbrauchern näherbringen.

Es wurde darauf hingewiesen, dass Hülsenfrüchte im Vergleich zu Fleisch nicht nur effizienter sind (man braucht erst ganz viele pflanzliche Rohstoffe, um am Ende das Fleisch konsumieren zu können, bei pflanzlicher Ernährung braucht man also viel weniger Fläche, da wir die Rohstoffe direkt konsumieren können), sondern auch ernährungsphysiologisch gesünder. Die Teilnehmer wurden ermutigt, verschiedene Proteinquellen zu nutzen.

Torsten Weber berichtete von seinen Bemühungen, neue Hülsenfruchtsorten wie Erdnüsse, Mungbohnen und Augenbohnen in Deutschland anzubauen.

Es wurde festgestellt, dass der Konsum von Hülsenfrüchten in Deutschland in der Vergangenheit verbreiteter war und dass es Herausforderungen im Anbau gibt. Ideen wurden erörtert, um den Anbau von Hülsenfrüchten in Deutschland massentauglicher zu gestalten.

Fazit

Der Themenabend zum Thema "Linse und Kichererbse" endete mit dem Aufruf, die Vielfalt der Hülsenfrüchte stärker in unsere Ernährung zu integrieren. Die Teilnehmer waren inspiriert, die gesunden und nachhaltigen Aspekte von Hülsenfrüchten zu fördern und gemeinsam entlang der Wertschöpfungskette die Region zu stärken.

Wir alle verlassen diesen Abend mit einem gesteigerten Appetit auf die Diversität der Hülsenfrüchte und dem Wunsch, unsere Ernährungsgewohnheiten zu überdenken und zu verbessern